Raumnutzung und Aktivität des Rotwildes im Bundesforstbetrieb Grafenwöhr

 

 

Der Truppenübungsplatz Grafenwöhr stellt aufgrund der besonderen Rahmenbedingungen bundesweit eine Sondersituation für das Vorkommen von Rotwild dar. Durch die militärische Nutzung existieren weite Flächen auf denen Fraßeinwirkungen durch das Rotwild wirtschaftlich keine Rolle spielen. Der militärische Anspruch offener Trainingsflächen, die Befahrung mit militärischen Fahrzeugen und örtlich regelmäßige Brandereignisse gestalten den Lebensraum in einer für das Rotwild optimalen Weise. Lediglich die jagdlichen und die für das Wild zumeist berechenbaren Aktivitäten des Militärs beeinflussen die tageszeitliche Aktivität und Lebensraumnutzung. Rotwild ist daher hier tagaktiv und nutzt seinen Lebensraum weitgehend frei von menschlicher Einflussnahme. Die wirtschaftliche und ökologische Tragfähigkeit der Fläche erlaubt somit eine überdurchschnittliche Dichte. Positive Auswirkungen des hohen Rotwildbestands auf die Artenvielfalt sind mehrfach dokumentiert worden.

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 Die jagdlichen Eingriffe unterliegen einem strikten Regulativ. Mit der jagdlichen Steuerung des Wildbestands verfolgt das Bundesforstamt vier allgemeine Ziele:

  1. den Erhalt einer Schutzfunktion der Waldflächen
  2. die Minimierung der Fraßeinwirkung auf forstwirtschaftlich relevanten Flächen
  3. die räumliche Lenkung des Rotwildes
  4. die wirtschaftlich optimale Nutzung des Rotwildbestands

Die vergleichsweise hohen Wilddichten erfordern nicht nur eine quantitative sondern vor allem auch eine gezielte räumliche Lenkung. Jagddruck und Flächenattraktivität werden auf Basis eines detaillierten Konzeptes dementsprechend gesteuert. Ein Großteil des Gebietes steht aufgrund des Primats der militärischen Nutzung dem Rotwild uneingeschränkt zur Verfügung. Fraßeinwirkungen haben hier eine wichtige ökologische, jedoch keine wirtschaftliche Bedeutung. Im Kerngebiet werden die Rahmenbedingungen für eine forstwirtschaftliche Nutzung vom Militärbetrieb vorgegeben, der daher nicht zuletzt durch eine Entwertung der Bestände enge Grenzen gesetzt sind. Insbesondere in den Randlagen existieren jedoch große, zum Teil ertragreiche Flächen auf denen reguläre Forstwirtschaft betrieben wird und der Einfluss des Rotwildes auf die Waldentwicklung begrenzt werden muss.

Auch das Rotwild selbst ist für den Betrieb ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Der Forstwirtschaft steht auf einem großen Flächenteil die Einnahmen aus der Jagd gegenüber.

Die vergleichsweise hohe Wirtschaftlichkeit des Jagdbetriebs ist neben qualifiziertem Personal und hohen Wilddichten insbesondere auch auf die effektive Lenkung und die weitgehende Freiheit von externen Störungen (→ Tagaktivität) zurückzuführen. Grundlage dieses Managementkonzeptes ist eine effektive Lenkung des Wildes. Dessen Optimierung auf Basis fundierter Daten ist daher von zentralem betrieblichen Interesse.

Das Konzept basiert bisher vor allem auf den Erfahrungen und Einschätzungen des zuständigen Bundesforstpersonals. Sowohl die tatsächlichen Bewegungsmuster des Rotwildes, wie auch die Wirkungsweise vorhandener Einflussfaktoren auf die Habitatnutzung entziehen sich jedoch derzeit einer objektiven Überprüfung. Eine optimierte Steuerung des Wildbestands vor dem Hintergrund seiner erheblichen jagdlichen, forstlichen, ökologischen oder auch gesamtwirtschaftlichen Bedeutung innerhalb des Betriebes ist jedoch nur auf Basis wildtierbezogener Daten möglich.